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Interview mit Përparim Avdili

Përparim Avdili (38) kandidiert für den Zürcher Stadtrat und als Stadtpräsident. Kurz nach der Geburt in Nordmazedonien kam er mit seinen Eltern in die Schweiz und wuchs in Zürich Altstetten auf, wo er immer noch lebt. Er ist ein Machertyp, der gerne bereit ist an vorderster Front für die Stadtbevölkerung zu verhandeln. Im Interview erzählt Përparim, wie er zur Politik und FDP kam, über zweite Chancen, Tierschutz und Antisemitismus.

Wie bist du zur Politik gekommen?
An einem Quartierfest wurde ich beim FDP-Stand angesprochen und so ist der Kontakt entstanden. Durch mein Elternhaus und meine Lebensgeschichte war ich vorher schon politisch interessiert. Es hat sich ein gewisses liberales Gedankengut entwickelt, immer mit dem Grundgedanken, dass ich mein Schicksal selbst in der Hand habe. Es braucht eine Gesellschaft und ein System, die Chancengerechtigkeit gewährleisteten und auch gleichzeitig ein System, bei dem sich die Arbeit lohnt, unabhängig davon, woher man kommt. Dafür braucht es eine gute Wirtschaft, die dies ermöglicht. Immer unter der Berücksichtigung, dass wir in einer solidarischen Gesellschaft leben, in der man Menschen hilft, die gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Aufgrund dieser liberalpolitischen Prägung kam ich zur FDP und nicht wie viele erwarten würden in eine linke Partei. Zuerst engagierte ich mich als einfaches Mitglied, bis ich 2014 in den Vorstand der Kreispartei kam. 2017 bin ich Präsident von der Kreispartei Kreis 9 geworden, 2018 wurde ich in den Gemeinderat gewählt. 2022 wurde ich wiedergewählt und wurde auch Präsident der FDP Stadt Zürich.

Auf deiner Webseite sprichst du sehr offen über deinen Werdegang und auch das Versagen. Sonst würde man von Politikern eher erwarten, dass sie Dinge, die nicht so gut liefen unter den Teppich kehren. Wieso ist dir diese Authentizität wichtig?
Früher habe ich vielleicht ganz unbewusst auch nicht darüber gesprochen, weil man nicht gerne über das Versagen redet. Jetzt trete ich als Stadtrat und Stadtpräsident zur Wahl an und da geht es auch um mich als Mensch. Schlussendlich wissen wir, dass es nicht immer gut läuft. Sehr vielen Leuten geht es genauso wie mir, viele haben es vielleicht noch schwieriger. Es ist mir sehr wichtig, in einer Gesellschaft zu leben, in der man eine zweite Chance bekommt.

Deine Geschichte ist ein bisschen wie vom Tellerwäscher zum Millionär. Was rätst du Menschen, die feststecken oder vielleicht nicht genau wissen, wie sie etwas erreichen sollen?
Dranbleiben und sich selbst treu bleiben. Es gab die Debatte um meinen Namen. Wenn ich gewählt werden wolle, müsste ich meinen Namen ändern. Das mag ein gut gemeinter Rat sein, aber man muss mir nicht helfen, man kann mich wählen. Was löst man bei einem 15-jährigen Mädchen oder Jungen aus, die am Anfang ihrer Karriere stehen und es dann heisst, es spielt eigentlich gar keine Rolle, was du leistest, du hast den falschen Namen. Ich bin Schweizer und behalte meinen Namen.

Wie stehst du zum Thema Tierschutz und zum Beispiel zu Feuerwerksalternativen oder betreuten Taubenschlägen?
Ich bin ein Stadtkind. Nur in den Sommerferien war ich bei meinen Grosseltern auf einem grossen Bauernhof. Ich finde es immer falsch, wenn wir von oben herab anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben, weil sie vielleicht in einer anderen Situation im Leben stehen. Dennoch gehört es zu einer fortschrittlichen Gesellschaft, das Verständnis auf die Umwelt und Tierwelt zu erweitern. In Zürich können wir es uns durch unsere Entwicklungsgesellschaften auch erlauben, die Diskussion zu führen. Mir wäre es wichtig, wo wir Hebel haben, dass wir diese auch für den Tierschutz ansetzen.Ich finde gerade an grossen Veranstaltungen wie dem Züri Fäscht, das ich wiederbeleben möchte, gehört eine grosse Show. Wie diese schlussendlich umgesetzt wird, da bin ich offen für Vorschläge. Ebenso beim Dialog über die betreuten Taubenschläge.

Antisemitismus nimmt leider kontinuierlich zu. Wie strebst du da eine Einigkeit in der Bevölkerung an?
Man muss den Dialog weiterführen. Offenbar haben wir tatsächlich noch viele Menschen auch in unserer Stadt, die total falsche Informationen haben und an grundantisemitische Verschwörungen glauben. Ich finde es erstaunlich, dass dies in unserer aufgeklärten Gesellschaft überhaupt noch möglich ist. Der Dialog muss schon in den Schulen beginnen. Des Weiteren müssen klare Konsequenzen folgen, wenn man sich nicht an Regeln hält. Nicht nur in Bezug auf Antisemitismus, sondern zum Beispiel auch bei Fussballausschreitungen. Ich sehe da auch eine erzieherische Massnahme, wenn der Lehrling am Montag nicht zur Arbeit erscheint und erklären muss, wieso er verhaftet wurde.

Was würde es für die Stadt Zürich bedeuten, wenn du Stadtpräsident wirst?
Ich glaube, von der politischen Bedeutung wäre es schon eine revolutionäre Sache für Zürich. Auf einen Schlag würde sich Zürich noch fortschrittlich positionieren. Mein Name bedeutet auch Fortschritt.

So spannend und auf Hebräisch heisst Parparim Schmetterling. Der Schmetterling steht für die Transformation und die Veränderung.
Das wusste ich gar nicht. Ich glaube nicht an Zufälle. Es gibt ein albanisches Sprichwort: Der Zufall ist der König der Welt.

Das Sprichwort gefällt mir gut. Man sagt auch: Es gibt keine Zufälle, es fällt einem zu, was fällig ist. Ich wünsche dir eine erfolgreiche Wahl!

Bilder: Përparim Avdili

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