Interview mit Pierre Kiwitt

Den deutsch-französischen Schauspieler Pierre Kiwitt (44) treffe ich in den Drehpausen von «Der Zürich-Krimi» zum Interview. In der Serie spielt er den Polizisten Marco Furrer. Im Gespräch erzählt er mir, dass er Zürich von früher kennt, wie er von der Bank zur Schauspielerei kam und was ihn an seinem Beruf so fasziniert.

Bild von Pierre Kiwitt

Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Es war ein Kindheitstraum, der wahr geworden ist, als ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt habe. Als Kind habe ich schon früh Theater gespielt. Zuerst habe ich aber einen anderen Weg eingeschlagen und eine Banklehre gemacht, auch auf Wunsch meines Vaters. An die Schauspielschule wollte ich dann nach der Lehre, bin dann aber bei der Bank hängen geblieben und an die Börse gegangen. Irgendwann hat es mir aber nicht mehr gefallen und ich habe dann doch noch meinen Traum wahr gemacht. Eine Kundin hat mich am Schalter angesprochen und meinte ich muss doch auf die Bühne. Erst drei Jahre später habe ich sie angerufen und sie hat mir einen Schauspiellehrer empfohlen. In der Urlaubs- und Freizeit habe ich mich voll auf die Schauspielerei konzentriert.

In «Der Zürich-Krimi» spielst du den Polizist Marco Furrer, wieso wolltest du diese Rolle?
Erst mal habe ich sie mir nicht ganz so ausgesucht, sondern ich wurde vorgeschlagen. Spielen wollte ich sie, weil ich schon als Junge immer ein bisschen Polizei spielen wollte. Zudem sind es super Leute von Cast und Crew und auch die Rolle des Marco Furrer ist ansprechend, für was er steht und wie er ist.

In den ersten sechs Folgen wurde Furrer von Felix Kramer gespielt. Ist es schwieriger eine Rolle zu übernehmen?
Felix ist natürlich auch ein traumhafter Kollege, umso schwieriger ist es dann, in solche Fussstapfen zu treten. Uns zu vergleichen ist schwierig, weil wir uns nicht ähnlich sind. Am Anfang war es schon nicht leicht, sich einzufinden. Man wollte die Rolle weiterführen, weil sie so schön aufgebaut war, auch mit den anderen Charakteren Dominique und Borchert.

Bild von Pierre Kiwitt

Kanntest du Zürich schon?
Ich hätte beinahe zur Bankzeit in Zürich gelebt. Mein Cousin wollte mich hierhin holen, weil er selbst bei der UBS beschäftigt war. Wir waren da noch jung, gingen auf die Street Parade und haben alle möglichen Clubs besucht. Meine Frau hat auch lange Zeit bei Spoerli im Staatstheater getanzt.

Wie sind für dich die Dreharbeiten in der Corona-Zeit?
Ich schätze mich ausgesprochen glücklich, dass ich überhaupt einen Job habe, gedreht werden darf und ich mitspeilen kann. Dann haben wir halt diese Maske und die Einschränkungen, was solls. Mein Gott, dann ist Weihnachten zuhause oder wo auch immer und nicht im grössten Kreis, dann ist das jetzt so. Mag keiner und finden alle doof. Wenn man sich einfach ganz stringent an diese Sache hält, dann wird’s schon gut gehen. Dann desinfiziere ich halt den Tisch wie gerade eben, das ist mir ehrlich gesagt so scheissegal (lacht).

Was liebst du an deinem Beruf am meisten?
Das vielfältige Erlebnis. Manchmal kostet das auch ganz viel Kraft, weil es nicht nur Geschichten in den Rollen sind, sondern auch in privaten Erlebnissen. Man reist viel, trifft viele Menschen und verschiedene Kulturen. Ich bin ein Mensch der sich gerne versteht und habe deswegen nicht so viel Probleme mit anderen. Man darf an verschiedenen Lebensmöglichkeiten teilhaben, das ist extrem bereichernd. Ich kann ein Polizist spielen und diese latente Gefahr spüren, ohne jemals in Gefahr zu sein. Zweite Weltkriegsfilme haben auch einen erzieherischen Effekt: Nie wieder so Leute!

Bild von Pierre Kiwit

Gibt es Regisseure oder Schauspieler, mit denen du unbedingt einmal zusammenarbeiten möchtest?
Es gibt natürlich etliche. Ich bin halb Deutscher halb Franzose, da eröffnet sich mir auch ein Markt in Frankreich. In Spanien habe ich auch ein paar Projekte gemacht. Mit den Regisseuren Olivier Marchal, Tarantino oder Steven Soderbergh würde ich gerne einmal drehen, nur um ein paar zu nennen. Auch Grössen, mit denen ich nie drehen werde wie Robert De Niro oder Al Pacino, die sind meine Idole. Mit Christian Kohlund zu spielen ist auch eine ganz grosse Sache für mich. Ein weiterer Traum ist auch wahrgeworden, dass ich mit Pierre Richard drehen konnte. Ich würde natürlich auch wahnsinnig gerne mit einem Leonardo DiCaprio, einer Tilda Swinton oder einem Christoph Waltz drehen, es gibt so viele, ich habe darauf keine präzise Antwort.

Drehtage sind oft lang und intensiv, wie tankst du Kraft?
Weiss ich gar nicht. Es kommt darauf an. Das A und O ist eine ganz gute Vorbereitung, dass ich ein oder zwei Tage davor nicht mehr in einen Stress reinkomme. Es kommt auch darauf an, wie schnell man das Drehbuch kriegt. Der Nachteil ist dann, dass ich das immer und immer wiederkaue. Oftmals findet man kurz vor Drehbeginn nochmals eine ganz andere Richtung. Ich mache Sport, um einen Ausgleich zu haben. Da ich privat auch sehr viel zu tun haben, wenn ich zuhause bin, bin ich froh, wenn ich im Hotel bin und meine Ruhe habe. Nur die Rolle und ich sozusagen. Viele sagen auch, dass Drehen Urlaub ist, weil du das tust, was du willst.

Bild von Pierre Kiwitt

Wie bereitest du dich auf eine Rolle vor?
Ich lege das Drehbuch unters Kopfkissen (lacht). Nein, im Ernst, ich sammle alle Informationen zum Thema, lese mich ein und schaue Filme darüber. Dann lese ich das Drehbuch, was will der Regisseur erzählen, was will ich erzählen. So bereite ich mich vor.

Wenn du eine Rolle frei wählen könntest, was würdest du spielen?
Vielleicht tiefgründigere Rollen, etwas was einen rührt. Es gibt natürlich ganz viele Figuren, die ich gerne mal spielen würde wie Hamlet oder Romeo. Für den Romeo bin ich aber zu alt. Der Unterschied vom Mensch zum Schauspieler ist, dass der Mensch die Lösung sucht und der Schauspieler das Problem. Sonst gibt es keine Geschichte zu erzählen, wenn alles schon gelöst ist. Ich liebe Ritterfilme oder utopische Sachen ganz abgöttisch, weil dies einem erlaubt in der Zeit zu reisen.

Bild von Pierre Kiwitt

Bilder: Alan Ovaska, André Roehner, Robert Recker, ARD Degeto / Roland Suso Richter

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