Interview mit Manuela Leonhard

Manuela Leonhard (60) kombinierte ihre Liebe für Zürich, in dem sie begann ihre schönsten Eindrücke auf Social Media zu posten. Seither verzaubert sie Menschen mit ihren Bildern und positiven Worten weltweit. Wie es dazu kam und auf was sie wert legt, erzählt sie mir bei schönstem Sonnenschein am Zürichsee im Interview.  

Bild von Manuela Leonhard

Wieso hast du angefangen, Bilder von Zürich auf Social Media zu posten?
Vor 16 Jahren habe ich LinkedIn entdeckt und fand es so cool, dass man sich mit Leuten weltweit vernetzen kann. Nachdem ich ein Konto erstellt habe, merkte ich, dass ich nichts von meiner Arbeit als Assistentin der Stadtpräsidentin von Zürich posten kann, weil alles politisch und vertraulich ist. Dann kam mir die Idee, zum Beispiel meinen schönen Arbeitsweg, die Aussicht vom Lindenhof beim Mittagessen oder die Altstadt aus dem Stadthaus zu posten.

Zu Beginn haben viele meine Kontaktanfragen auf LinkedIn abgelehnt und ich bekam Kommentare, dass ich auf der falschen Plattform sei mit meinen Bildern. Ich habe dann immer gesagt, das Beste an Social Media ist, man kann weiterscrollen oder blockieren (lacht). Immer mehr, lernte ich, was geht und was nicht. Das Gute damals war, dass sich der Algorithmus nicht ständig änderte. Es ist einfach gelaufen. Ich habe mal einen Post mit anderthalb Millionen Views in einer Woche oder 2000 Kontaktanfragen innerhalb von zwei Tage bekommen.

Heute weiss ich, dass ich durch Social Media extrem viel über Zürich gelernt habe. Ganz viele Leute haben eine Verbindung zu Zürich. Durch die vielen Interaktionen habe ich immer wieder gemerkt, was du nicht immer hast, schätzt du mehr, als das, was du hast. Ich habe einfach weitergemacht, um den Leuten zu zeigen, wie schön wir es haben. Als Assistentin bekam ich so viele Reklamationen zu allem in Zürich, da wollte ich das Bewusstsein wieder auf das Schöne lenken.

Bild von Manuela Leonhard

Wann kam Instagram dazu?
Vor elf Jahren begann ich dann, auch auf Instagram zu posten. Zuerst hiess ich «Catch_Me_if _you_Can», weil mir nichts Besseres in den Sinn kam. Schnell habe ich aber gemerkt, dass dies mit all den Bildern von Zürich nicht passt. So habe ich das Profil dann in «zurich _is_beautiful» umbenannt. Auch aus dem Grund, dass die Kollegen von der Stadt nicht sehen, dass ich aktiv auf Social Media bin (zwinkert). Doch mit der Zeit wollten die Leute wissen, wer ich bin. Dann habe ich angefangen, mich zu zeigen. Leute, die mich kannten, fragten, ob ich dies für Zürich Tourismus mache. Aber ich machte es einfach nur für mich. Mein Durchbruch, wenn man so will, war während Covid. Die ganze Welt war im Homeoffice, aber ich ging als Einzige vom Stab Stadtpräsidentin ins Stadthaus zur Arbeit. So konnte ich die tollsten Bilder vom menschenleeren Zürich posten. Unter meine Bilder habe ich immer positiv und optimistischen Worte geschrieben. Ich bekam wunderschöne Rückmeldungen aus aller Welt, zum Beispiel dass ihnen meine Bilder durch die Isolation geholfen haben. Weil ich auch extrem mit der Gastro- und Hospitality-Branche verbunden bin und diese Branche sehr gelitten hat, begann ich auch unter dem Hashtag #supportthelocals Bilder von meinen Restaurantbesuchen zu posten. Darauf wurde ich dann auch in Hotels eingeladen, damit ich sie unterstützen konnte. Verdient habe ich aber nie etwas. So ging es immer weiter. Es kamen Einladungen für Podcasts, Interviews oder Bühnenauftritte. Die berufliche Veränderung war absehbar, weil mich Social Media sehr begeistert hat, es gab so viele Möglichkeiten.

Wieso hast du die Weiterbildung systemisches Coaching gemacht?
Ich habe gemeint, dass Corine Mauch 2022 nicht mehr kandidieren wird. Deswegen habe ich diese Weiterbildung gemacht, damit ich zeitgleich mit ihr gehen und nochmals neu anfangen könnte. Doch sie hatte mich total überrascht mit ihrem Wunsch zur nochmaligen Kandidatur als Stadtpräsidentin. Mit der Zeit spürte ich aber, dass mich die Weiterbildung verändert hatte und ich einfach «weiter musste». Eigentlich wollte ich ja als systemische Coach arbeiten, aber der Erfolg mit Social Media kam mir dazwischen (lacht).

Bild von Manuela Leonhard

Wie entscheidest du, was du postest und welche Kollaborationen du eingehst?
Ich mache vor allem Dinge, von denen ich eine Ahnung habe, wie Food Kooperationen, Hotels, Reisen und Lifestyle ü50. Ich bin in einem Restaurant aufgewachsen, habe mit meinem Ex-Mann ein Hotel geführt und war Maître de Cabine. Altersbedingt kommt jetzt Longevity, die Gesundheit zu erhalten, dazu. Bei Anfragen, die ich bekomme, frage ich mich immer, ob es mich wirklich interessiert, ob es für meine Follower spannend ist und ob es schön zu fotografieren ist. Die Fotos sind extrem wichtig. Ich versuche mich auch immer weiterzuentwickeln und folge vielen iPhone-Photography-Channels, deren Tipps ich dann ausprobiere.

Was rätst du Menschen, die Content Creator werden wollen?
Ich empfehle Social Media zu machen, so dass es entstehen und wachsen kann. Wenn ich andere Influencer oder Content Creator frage, wie sie angefangen haben, sagen alle das Gleiche. Es ist einfach gewachsen und dann entstanden. Sie sind drangeblieben und haben Freude daran. Mir ist auch die Authentizität sehr wichtig. Darum poste ich immer ehrlich und zeitnah, möglichst am gleichen oder spätestens am nächsten Tag.

Ich empfehle regelmässig zu posten und so sichtbar zu bleiben. Man muss sich auch über den Zeitkonsum bewusst sein. Mit Posts alleine ist es nicht getan. Das Community-Managment ist die grosse Arbeit und ich beantworte nach wie vor alles selbst. Kurz gesagt, mach’s mit Leidenschaft oder gar nicht.

Bild von Manuela Leonhard

Mittlerweile bist du auf Instagram mit deinem Namen, wie kams dazu?
Letztes Jahr habe ich gespürt, dass ich «zurich_is _beautiful» ändern muss, weil ich sonst nie den Zürich-Stempel loswerde. Ich reise ja über die Landesgrenzen hinaus, da passte der Name nicht mehr. Das Personal Branding war eine gute Entscheidung. Das Investment in die neue Webseite hat sich sehr gelohnt. Jetzt wissen die Leute genau, was ich mache und wofür ich stehe.

Was sind deine nächsten Ziele, Träume oder Wünsche?
Seit letztem Jahr schreibe ich eine Reisekolumne im Travel Magazin. Mehr zu reisen ist definitiv ein Wunsch. Insbesondere, Solo und Independent Travel, um Frauen Mut zu machen, allein zu reisen.

Seit einem Jahr bin ich Grossmutter und möchte natürlich so viel Zeit wie möglich mit meiner Enkelin verbringen und ihre viel gute, positive Werte fürs Leben mitgeben. Das ist mir wichtig. Natürlich auch, dass es meinen Kindern gut geht und ich gesund bleibe. Alles hängt von der Gesundheit ab.

Bild von Manuela Leonhard

Bilder: Diana Kottmann, @sandramarusic, Manuela Leonhard

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