Stefanie Tschupp (41) aus Luzern hat Psychologie studiert und sich als Finanzpsychologin etabliert. Wieso sie diesen Bereich gewählt hat und wie sie ihren Klientinnen hilft, ihr Geld sinnvoll und gewinnbringend anzulegen, berichtet Steffi mir im Interview.

Wieso hast du Psychologie studiert?
Mich hat schon immer fasziniert, weshalb Menschen so handeln, wie sie handeln. Warum treffen wir gewisse Entscheidungen, obwohl wir eigentlich wissen, was gut für uns wäre? Diese Frage begleitet uns in vielen Lebensbereichen – und ganz besonders beim Thema Geld. Mit dem Psychologiestudium wollte ich verstehen, wie Gedanken, Emotionen und Verhaltensmuster unser Leben prägen.
Wie bist du zum Bereich Finanzpsychologie gekommen?
Während meiner Arbeit als Psychologin in vier verschiedenen Banken wurde mir immer deutlicher, dass Geld für viele Menschen weit mehr ist als Zahlen auf einem Konto. Geld berührt Themen wie Sicherheit, Freiheit, Selbstwert oder auch Ängste. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass gerade Frauen oft hervorragend sparen können, sich aber beim Investieren unsicher fühlen. Die Verbindung von Psychologie und Finanzen war für mich deshalb eine logische und spannende Spezialisierung.
Du unterstützt Frauen in finanzpsychologischen Themen. Hast du eine bestimmte Zielgruppe oder kann sich jede Frau bei dir melden?
Mein Fokus liegt klar auf Unternehmerinnen und selbstständigen Frauen, die nicht nur ein erfolgreiches Business aufbauen, sondern auch privat Vermögen schaffen möchten. Viele meiner Kundinnen verdienen gut, investieren viel Energie in ihr Unternehmen und kümmern sich hervorragend um ihre Kundinnen – stellen ihre eigenen Finanzen aber oft hinten an.
Sie möchten ihr Geld bewusster managen, investieren, Vermögen aufbauen und finanzielle Sicherheit schaffen, ohne ständig an ihre Finanzen denken zu müssen. Genau dabei unterstütze ich sie – sowohl auf der strategischen als auch auf der psychologischen Ebene.
Grundsätzlich kann sich jede Frau bei mir melden. Meine Expertise ist jedoch besonders auf die Herausforderungen von Unternehmerinnen zugeschnitten, denn ihre finanziellen Entscheidungen unterscheiden sich oft stark von denen einer Angestellten.

Welche Kundinnenfeedbacks haben dich am meisten berührt?
Besonders berühren mich Rückmeldungen von Frauen, die sagen: «Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, meine Finanzen wirklich zu verstehen.» Oder wenn Kundinnen nach Jahren der Unsicherheit endlich ihre erste Investition tätigen und merken, dass sie das Thema selbst in die Hand nehmen können. Oft geht es dabei nicht nur ums Geld, sondern um Selbstvertrauen und Unabhängigkeit.
Viele sind sehr skeptisch gegenüber dem Geldanlegen eingestellt. Wie entkräftest du diese negativen Einstellungen?
Zunächst nehme ich diese Skepsis ernst. Oft basiert sie auf negativen Erfahrungen, fehlendem Wissen oder dem Eindruck, Investieren sei nur etwas für Experten oder Reiche. Statt zu überzeugen, arbeite ich mit Aufklärung. Wenn Menschen verstehen, wie langfristiges Investieren funktioniert und welche Risiken tatsächlich bestehen, weicht die Angst häufig einer realistischen Einschätzung. Und ich persönlich finde es immer noch das grösste Risiko, NICHT zu investieren.
Manche Menschen wollen mehr Geld haben, doch es gelingt ihnen nicht. Negative Glaubenssätze wie «Geld stinkt» oder andere Muster halten sie davon ab. Siehst du das auch so?
Ja, unsere Geldüberzeugungen spielen eine grosse Rolle. Viele dieser Glaubenssätze entstehen bereits in der Kindheit und wirken unbewusst weiter. Wer beispielsweise gelernt hat, dass wohlhabende Menschen egoistisch sind oder Geld zu Problemen führt, kann unbewusst Erfolg vermeiden. Der erste Schritt ist, diese Muster zu erkennen. Anschliessend kann man sie hinterfragen und durch hilfreichere Überzeugungen ersetzen – etwa: «Geld gibt mir Möglichkeiten, Gutes zu bewirken» oder «Finanzieller Erfolg und Menschlichkeit schliessen sich nicht aus.»

Auf welche Kriterien muss ein Laie beim Investieren schauen?
Für Einsteigerinnen sind drei Punkte besonders wichtig: Diversifikation, Kosten und Anlagehorizont. Das Geld sollte möglichst breit gestreut sein, die Gebühren tief und das investierte Kapital langfristig angelegt werden. Wer diese Grundprinzipien berücksichtigt, macht bereits vieles richtig.
Kann man auch mit wenig Geld investieren und ab welchem Betrag lohnt es sich?
Absolut. Heute kann man bereits mit kleinen Beträgen starten. Viel wichtiger als die Höhe des Startkapitals ist die Regelmässigkeit. Wer monatlich investiert, profitiert langfristig vom Zinseszinseffekt. Deshalb lohnt sich Investieren grundsätzlich bereits mit kleinen Beträgen.
Wie kann man gewinnbringend investieren?
Es gibt keine Garantie für Gewinne. Historisch gesehen waren jedoch breit diversifizierte Aktienanlagen über längere Zeiträume eine der erfolgreichsten Anlagestrategien. Entscheidend sind Geduld, Disziplin und ein langfristiger Anlagehorizont. Häufig ist nicht die perfekte Strategie entscheidend, sondern das konsequente Dranbleiben. Und was ich besonders stark meinen Frauen weitergebe: wähle deine Aktien gezielt und bewusst aus, anhand wirtschaftlicher Kriterien, deinen Werten und passend zu deiner Persönlichkeit. Das machen wir alles gemeinsam in der SHEVEST Online Academy.
Wie schnell kann man auf das Geld zugreifen, wenn man davon zum Beispiel eine Reise bezahlen will?
Bei börsengehandelten Anlagen kann man seine Positionen in der Regel innerhalb weniger Minuten oder Stunden verkaufen. Bis das Geld tatsächlich auf dem Konto verfügbar ist, dauert es meist einige Arbeitstage. Deshalb sollte Geld, das man kurzfristig benötigt, nicht vollständig investiert werden. Halte immer einen liquiden Notgroschen auf der Seite und halte dich an das «Miss Money – Kontenmodell», da gibt es auch das Urlaubskonto. 😊Das «magische Dreieck» zeigt darüber hinaus auf, dass es einen Trade-off zwischen Rendite, Sicherheit und Liquidität gibt. Du kannst nie alle 3 Dinge gleichzeitig haben.
Was sind ETFs?
ETFs – Exchange Traded Funds – sind börsengehandelte Fonds. Sie bilden einen Marktindex nach, beispielsweise den Schweizer Markt oder den weltweiten Aktienmarkt. Dadurch investiert man mit einer einzigen Anlage automatisch in viele Unternehmen gleichzeitig. ETFs gelten deshalb als einfache und kostengünstige Möglichkeit, breit diversifiziert zu investieren.
Wie kann man bei ETFs den Überblick behalten, in was man investiert?
Jeder ETF veröffentlicht transparent, welche Unternehmen oder Märkte enthalten sind. Ein Blick auf den zugrunde liegenden Index, die grössten Positionen und die geografische Verteilung genügt oft bereits, um zu verstehen, worin man investiert. Für die meisten Anlegerinnen ist weniger oft mehr – wenige, gut ausgewählte ETFs reichen meist aus. Viele nutzen ETFs als Kerninvest. Als Satelliten rund herum investieren wir bei Miss Money in Einzelaktien, da ist die Rendite noch spannender. Da gilt es aber genau, bewusst und gezielt eine Auswahl zu treffen und NICHT einem Hype zu folgen.
Wenn der Wert einer Aktie sinkt oder ein Unternehmen Konkurs geht, verliert man einfach die Investition oder muss man draufzahlen?
Als normale Anlegerin kann man maximal den investierten Betrag verlieren. Sinkt eine Aktie auf null oder geht ein Unternehmen Konkurs, verliert man das eingesetzte Kapital dieser Anlage. Man muss jedoch kein zusätzliches Geld nachschiessen, solange man keine speziellen Hebelprodukte oder Kredite verwendet. Im besten Fall hast du Aktien ausgewählt, die du auf ihre Kennzahlen geprüft hast (z.B. kontinuierliches Gewinnwachstum), dann wird sowas sehr unwahrscheinlich passieren.
Wie viel Zeit muss man einplanen, damit man eine möglichst hohe Rendite erzielen kann?
Interessanterweise führt mehr Zeitaufwand nicht automatisch zu einer höheren Rendite. Viele Studien zeigen, dass langfristiges und diszipliniertes Investieren häufig erfolgreicher ist als ständiges Kaufen und Verkaufen («Hin und her macht Taschen leer»). Wer eine klare Strategie hat, benötigt oft nur wenige Stunden pro Jahr für die Überprüfung seines Portfolios.

Wie kam es zu der Kooperation mit Yuh?
Mich überzeugt der Ansatz von Yuh, den Zugang zu Finanzen und Investitionen möglichst einfach und verständlich zu gestalten. Gerade für Menschen, die ihre ersten Schritte an der Börse machen möchten, sind einfache Lösungen wichtig. Die Kooperation entstand aus dem gemeinsamen Ziel, mehr Menschen für finanzielle Selbstbestimmung zu begeistern.
Für wen ist die Yuh-App geeignet?
Yuh eignet sich besonders für Menschen, die ihre Finanzen unkompliziert verwalten und erste Erfahrungen mit dem Investieren sammeln möchten. Die App spricht sowohl Einsteigerinnen als auch Personen an, die eine einfache und digitale Lösung für Sparen, Bezahlen und Investieren suchen. Und dazu noch kostengünstig. In meiner Podcastreihe «Finanz-Fakt oder Fiktion» zusammen mit YUH erwähne ich neben den Ziel finanzieller Bildung auch viele Funktionen, die mit der YUH App getätigt werden können
Bilder: Stefanie Tschupp



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