Interview mit Yohay Sponder

Der israelische Comedian Yohay Sponder (43) bringt Menschen überall auf der Welt zum Lachen. Im Juni konnte ich mich live in Zürich überzeugen und war begeistert. Lachmuskelkater garantiert. Seit wann er nur noch auf Englisch performt, wie er mit Antisemitismus umgeht und was ihn inspiriert, erzählt Yohay mir im Videointerview.

Bild von Yohay Sponder

Wann wurde dir klar, dass du auf die Comedy-Bühne gehörst?
Ich war wohl schon von klein darauf aus, Comedy zu machen. Noch bevor ich wusste, was Arbeit und Geld bedeutet. Ich glaube, die Energie des Lachens, des Glücks, hat mich als Kind immer viel stärker angesprochen als alles andere.

Zuerst war deine Comedy auf Hebräisch. Wann und warum hast du begonnen, auch auf Englisch aufzutreten?
Ich habe 2012 angefangen, auch auf Englisch aufzutreten. Es gab mehrere Gründe. Vor allem, weil ich das Gefühl hatte, dass Comedy mehr als nur eine Sprache ist. Man kann auf Englisch mehr Menschen erreichen und ich kann auf grösseren Bühnen auftreten. Seit dem Terrorangriff am 7. Oktober 2023 mache ich nur noch Comedy auf Englisch.

Gerade Stand-up in einer anderen Sprache zu machen, ist sehr schwierig. Wie lange hast du gebraucht?
Ich würde sagen, drei oder vier Jahre, nur um auf der Bühne halb so gut zu sein wie auf Hebräisch. Das ist sehr frustrierend. Nach ein paar Jahren habe ich jedoch einige Methoden gefunden, um den Lernprozess zu beschleunigen. 

Seit wann trägst du den grossen Davidstern?
Es war eine direkte Reaktion auf den 7. Oktober und auf den Tod meines Vaters. Er hiess David. Es sind viele Dinge gleichzeitig passiert. Der Krieg und der Antisemitismus führten dazu, dass Menschen sich vor ihrer Identität scheuen. Ich spreche in der Show darüber, dass man sich nicht vor dem scheuen sollte, wer man ist. Und es ist auch eine Waffe (lacht).

Trägst du ihn auch im Alltag im Ausland?
Ja, das tue ich. Wenn ich in Israel bin, habe ich einen Kleineren, weil der grosse Davidstern recht schwer ist.

Bild von Yohay Sponder

Du wirst viel angegriffen. Wie gehst du mit Antisemitismus um?
Wir sind daran gewöhnt. Ich finde es traurig, dass es so ist, aber gleichzeitig kann ich dir sagen: Die sind dumm. Die Leute hassen dich nur, weil du Jude bist. Die kann man nicht ernst nehmen. Das ist so, als würde man sich über einen Vogel oder eine Kuh aufregen. Die sind einfach geistig nicht ganz auf der Höhe.

Du hast erzählt, dass du auch Morddrohungen bekommst.
Ja, solche Aussagen wie, du sollst es ja nicht wagen, herzukommen oder wir treffen dich draussen. Ich habe keine Angst. Ich weiss, was ich tue, und ich möchte mein Publikum glücklich machen. Ich werde nicht zulassen, dass die Dunkelheit dieser Menschen meinen Tagesablauf bestimmen. Natürlich schaue ich für meine Sicherheit und bin nicht leichtsinnig. Aber wenn du mich fragst, ob ich mein volles Potenzial ausschöpfen und sicherstellen will, dass ich mein Bestes gebe, oder ob ich diese Leute gewinnen lasse – dann ist die Entscheidung für mich ganz einfach.

Wie hat sich deine Perspektive auf die Auftritte im Laufe der Jahre verändert?
Früher ging es um mich. Heute geht es eher um das Publikum. Es ist sehr spannend, als Künstler zu begreifen, dass die Leute dein Produkt wirklich brauchen. Es sind ganz normale Menschen, die einfach nur lachen wollen. Das macht diese Reise eher zu einer Berufung als nur zu einer Show.

Bild von Yohay Sponder

Woher nimmst du die Inspiration für deine Comedy?
Sie ist überall. Alles ist lustig. Wenn man die Fähigkeit hat, das Leben aus einer lustigen Perspektive zu betrachten, macht alles Spass. Sogar das lange Wort «Inspiration» ist witzig.

Ziehst du eine Grenze, wenn es um Humor geht?
Generell gibt es keine Tabus. Aber es kommt darauf an, mit wem und wann. Die Sachen, über die ich mit meiner Frau oder meinen Schwestern scherze, sind sehr, aber das sind keine Dinge, die man auf der Bühne sehen werden. Und was ich auf der Bühne sagen werde, werde ich zum Beispiel meinen Schwiegereltern nicht unbedingt erzählen. Wir sind Juden, wir machen Witze über den Holocaust. So kommen wir damit klar.

Findest du es in Ordnung, wenn nicht jüdische Comedians Witze über den Holocaust machen?
Wenn es ein deutscher Komiker ist, der der Enkel von wem auch immer ist, muss die Art und Weise sehr intelligent sein. Das könnte funktionieren. Ich werde nicht sauer sein, wenn es ein guter Witz ist und er es richtig macht. Aber das Risiko, dass es nach hinten losgeht, ist natürlich viel grösser.

Bild von Yohay Sponder

Bist du vor der Show immer noch nervös?
Ich versuche, nicht nervös zu sein. Es ist eher eine Vorfreude als Nervosität.

Was war eines der schönsten Komplimente, die du für deine Stand-up-Auftritte bekommen hast?
Eine über 90-jährige Holocaust-Überlebende kam mit ihrer Familie zu einem Auftritt und hat sich richtig herausgeputzt. Nach der Show kam sie auf mich zu und sagte: „Ich möchte dir die Hand schütteln. Du bist ein echter Mann. Danke für das, was du für mein Volk tust. Du bist ein echter Mann“. Das hat mich sehr berührt und ich habe um eine Umarmung gebeten. Wir wissen um diese Gräueltaten und der Hass ist allgegenwärtig. Es kann jederzeit wieder passieren. Wir brauchen einander. Jemand, wie sie war schon in den schlimmsten Zeiten der Menschheitsgeschichte dabei. Sie hat das überlebt, ist auf mich zugekommen und sagt mir, dass meine Comedy gebraucht wird. Ich bin froh, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und das Richtige zu tun.

Hast du einen Rat, wie jüdische und/oder israelische Menschen mit all diesem Hass umgehen können?
Genau darum geht es in meiner neuen Show «Genesis». Genesis steht für unsere Wiedergeburt als jüdisches Volk. Wir müssen uns neu erfinden. Nicht, weil wir ein Problem mit uns selbst haben, sondern weil die Welt wieder verstehen muss, wer wir sind und etwas über das Judentum lernt. Das wird euch viel Selbstvertrauen geben. Alle Fakten zeigen, wie falsch es ist, dass sie uns hassen. All die Erfindungen, die das jüdische Volk hervorgebracht hat. All die Liebe, das Lachen und das Glück als Grundgedanken der jüdischen Religion. Das Judentum lehrt dich, dass man glücklich sein muss. Das ist sehr ermutigend. Du hast gefragt, was mich inspiriert – was mich in den letzten zwei Jahren am meisten inspiriert hat, ist das Judentum.

Bild von Yohay Sponder

Bilder: Yohay Sponder

Keine Kommentare

Kommentar verfassen